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  Wo kommen die Ideen her?
Geschrieben von: hans - 05.08.2016, 01:12 - Forum: Was man unbedingt wissen sollte - Keine Antworten

Wo kommen die Ideen her?

 
 
Wer kennt es nicht, daß er dringend eine Idee, einen Gedanken, eine Lösung braucht für eine schwierige Situation, eine Frage, ein Problem? Man weiß einfach nicht weiter. Das Wissen, das Gedächtnis scheinen keine Lösung parat zu haben. Man wird nervös, leichte Panik macht sich breit, Verzweiflung kündigt sich an. Und während man schon im Begriff ist, den peinlichen Rückzug zu planen, schlägt plötzlich die rettende Idee ein. Wie ein Blitz durchzuckt das Ersehnte das Gemüt. Würde man jetzt – was man natürlich nicht tut – auf den Prozeß schauen durch welchen die Idee auftritt und wie sie beschaffen ist, so würde man in vielen Fällen finden, daß die Idee vom Inhalt her etwas Neues darstellt, etwas, das man nicht aus seinem Wissen hätte erzeugen können. Aber wo kam sie dann her, wie hat man sie gefunden und läßt sich dieser Vorgang wiederholen?
Dieselbe Frage stellt sich gegenüber den großen und kleinen Kunstwerken der Weltkultur. Man bewundert Burgen und Schlösser, Kathedralen, moderne Wohnhäuser und Brückenkonstruktionen oder man hört eine Symphonie, ein Rockkonzert oder schaut sich Gemälde und Skulpturen an (die Liste ließe sich noch lange fortsetzen) und immer wieder stellt sich die Frage: Wie sind die Menschen wohl auf die Ideen gekommen? Wo kommen die Ideen her? Können sie bewußt hervorgerufen werden?
 
Zu diesen Fragen läßt sich aus der geistigen Wissenschaft heraus sehr viel sagen. Ich will in diesem Artikel versuchen, nur die Grundzüge aufzuzeigen. Und um es vorweg zu nehmen, möchte ich sagen: Der Mensch ist ein auf Ideen spezialisiertes Wesen. So wie der Fischreiher spezialisiert ist, Fische im flachen Gewässer mit dem Schnabel zu fangen, der Haubentaucher, die Fische unter Wasser zu jagen und der Fischadler, sie aus der Luft zu erspähen um sich auf sie zu stürzen und mit den Krallen zu ergreifen, so ist der Mensch spezialisiert, Ideen, Gedanken, Begriffe in sein Bewußtsein zu stellen und sich von deren Sinn durchdringen zu lassen. Es ist also das Normalste der Welt, wenn wir Ideen suchen und auch finden. Nur hat die Menschheitsentwicklung jetzt einen Stand erreicht, der es erforderlich macht, diese Ideen- und Gedanken-Prozesse mit Bewußtsein zu durchdringen, zu untersuchen, wie das menschliche Erkennen abläuft.
In alter Zeit, als die Menschen noch sehr viel unbewußter lebten, wurden ihnen die Ideen, die sie für ihr Leben brauchten, gewissermaßen aufgedrängt und sie folgten ihnen mehr oder weniger fraglos, weil sie in ihnen – nicht zu Unrecht – Geschenke oder auch Befehle der Götter sahen. Man denke nur an den Moses der hebräischen Überlieferung. Moses empfing ganz unfreiwillig die zehn Gebote durch seinem Gott Jahve. Das war ein ganz realer Vorgang. Schon in der Griechenzeit änderte sich das, man wurde bewußter, entwickelte den Verstand und aus diesem heraus die Philosophie. Man begann mit der Logik ergründen zu wollen, wie der Mensch zu seinen Erkenntnissen kommt, wie er wahrnimmt, denkt und Ideen findet.
Heute steht man vor der Aufgabe, bewußt nach Ideen und Erkenntnissen suchen zu müssen, denn sie kommen dem Menschen nicht mehr ungefragt zu. Wer heute nicht bewußt sein Seelenleben in die Hand nimmt und sich aufklärt über die Zusammenhänge, der droht zu einem denkerisch passivem Wesen zu werden, zum ferngesteuerten Konsumenten. Diese Gefahr ist heute sehr, sehr groß.
 
Produziert das Gehirn die Ideen?
 
Nun würde der normal-informierte Mensch auf unsere Frage: „Wo kommen die Ideen her?“, antworten: Die Ideen erzeuge - wie alle anderen Gedanken auch - das Gehirn des Menschen. Dies scheint das normale „Wissen“ zu diesem Thema zu sein. Doch hat bisher noch niemand im Gehirn einen Gedanken wirklich gefunden. Und natürlich ist damit die eigentliche Frage nach der Herkunft der Ideen nicht beantwortet. Das Gehirn könnte ja nur wiedergeben, was es bereits kennt. Wie soll das fest in unserem Schädel verankerte Gehirn auf neue Gedanken, neue Ideen kommen, die es noch nicht kennt?
Hierzu meinen viele, das Gehirn würde einfach das Wissen, das man hat, variieren und kombinieren, was ja im praktischen Leben durchaus Brauchbares hervorbringen kann. Doch aus Varianten und Kombinationen können niemals wirklich neue Ideen hervorgehen. Man merkt den Varianten und Kombinationen an, daß sie aus Bekanntem zusammengesetzt wurden. Die Künstler wissen das und viele lehnen dieses Vorgehen für Schaffung echter Kunst strikt ab. Ein Kunstobjekt muß ein Original sein, wenn es den Ansprüchen der Kunst gerecht werden soll. Und damit sind wir wieder bei unserer Frage: Wo kommen die Ideen her, wenn sie nicht von unserem Gehirn produziert werden?
Die Sprache kann uns da weiterhelfen, denn wir sagen nicht: „Mein Gehirn denkt…“ sondern: „Ich denke…“ Aber was ist gemeint mit „Ich“? Die Wissenschaft sieht das Ich des Menschen nicht als etwas Wesenhaftes an, sondern als die Region des Gehirns, welche den Selbstbezug zu den einzelnen Erkenntnissen herstellt, was dann als das Selbstbewußtsein erscheint. Nimmt man das ernst, so muß man bezüglich des Gehirns davon sprechen, daß dort eine Materie existiert, die denken kann und das Gefühl, ein Ich-Wesen, eine Persönlichkeit, zu sein, produziert. Das ist allerdings eine abenteuerliche Vorstellung, die dem sensibleren Menschen „gegen den Strich“ geht. Danach müßte man das Gehirn oder Teile dessen extrahieren können und finden, daß es weiterdenkt. Dann könnte man theoretisch durch eine Gehirn-Transplantation einer Kuh die Persönlichkeit eines Menschen einpflanzen. Und spätestens hier bemerkt man die Absurdität der Idee, daß unser Gehirn für alle Gedanken, Gefühle und Willensimpulse die Quelle sei.
 
Ist der Körper der Mensch?
 
In Wahrheit ist der Mensch ein seelisch-geistiges Wesen, das lediglich vorübergehend einen stofflichen Körper bewohnt. Das Wesen selbst ist nicht materiell sondern seelisch und geistiger Natur. Dies erkennt es man, wenn der Mensch schläft. Dann nämlich ist sein Wesen aus dem Körper herausgetreten und kehrt erst beim Aufwachen zurück. Und ebenso beim Tode, da löst es sich endgültig vom materiellen Leib, bleibt aber – wie ja auch im Schlaf – erhalten.
Dieses nicht-materielle Wesen, dieses Ich, ist es, welches denkt und das Gedachte in das Gehirn einprägt, um es dort immer wieder anschauen zu können. Das Gehirn ist unser Bildschirm, unser Notizblock, wo die Resultate des Denken und Wahrnehmens, aber auch die des Fühlen, Empfindens und Wollens aufgezeichnet werden. Deshalb finden sich im Gehirn weder Gedanken, noch Gefühle oder Willensimpulse, sondern nur Zeichen, ähnlich einer Schrift, welche auf diese hinweisen. Gedanken bzw. Ideen sind rein geistiger Natur und erscheinen durch die Tätigkeit des Denkens im Bewußtsein des geistig-seelischen Wesens des Menschen. Sie erklären, was er wahrnimmt. Die Gedanken und Begriffe aber sind Abbilder der Ideen der Erscheinungen, die der Mensch zusammen mit der Wahrnehmung erkennend in sein Ich aufnimmt, für die er im Gehirn aber nur ein Zeichen hinterläßt. Will er dann spätern auf die Sache zurückkommen, so findet er im Gehirn dieses Zeichen anhand dessen er durch Denken das Erkannte wieder vorstellen kann.
 
Ideen als schaffende Wesen werden verstanden
Indem die Idee in ihrem Abbild, dem Begriff, im menschlichen Bewußtsein erscheint, wird das Objekt verstanden. Das liegt daran, daß die rein geistige Idee die Ursache der Erscheinung ist. Die Idee als Teil des Geist-Wesens erzeugt die Erscheinung. Durchdringt man denkend die Idee bzw. den Begriffe, so schafft im Grunde die Erscheinung nach. Das Denken ist also ein Bauen, Erzeugen, Konstruieren, Schaffen, ein innermenschliches Nachschaffen dessen, was man zu erkennen bestrebt ist.
Will man also ein Kunstwerk schaffen, eine Erfindung machen, ein Problem lösen, so braucht man Ideen, denn diese liegen allem, was ist, zugrunde. Erfassen kann man Ideen nur im Denken. Hat man sie erfaßt, so geht man daran, sie zu verwirklichen. Aber wie kommt man an Ideen heran?
 
Fragen fordern Ideen an
 
Bei Problemen und schwierigen Situationen ist es klar: Man hat Fragen. Beim künstlerischen und erfinderischen Schaffen ist es ähnlich. Auch wenn die Frage nicht ausgesprochen wird, vorhanden ist sie. Im Grunde ist der künstlerische Prozeß eine lange Reihe von Fragen zusammen mit einer ebensolchen Reihe von Ideen. Kaum hat man eine Idee umgesetzt, so entsteht die nächste Frage. Oft werden Teilideen zu einem Kunstwerk nach dem Ausprobieren wieder verworfen und man stellt dieselbe Frage um diese Erfahrung modifiziert erneut. Eigentlich leben die Künstler ständig in der Frage nach neuen Ideen für Kunstwerke. Das bewirkt, daß ihnen auch immer wieder Ideen einfallen. Sie fallen von außen in das Bewußtsein des Fragenden hinein. Aber wo kommen sie her?
Den Bereich der Welt in welchem alles Geistige vorhanden ist, nennt man die geistige Welt. Das ist, was die Christen den Himmel nennen. Es ist eine ganze Welt der Ideen- und Ursachen-Wesen, in welche der Menschen denkend eindringen kann. Indem er seine Fragen denkt, sendet er diese in die geistige Welt hinein und erhält in gewissem Sinne Antwort, sofern seine Frage präzise genug war. Die geistige Welt, die Welt der Ideen-Wesen teilt sich dem Fragenden auf drei Wegen mit.
 
Drei Formen den Auftretens von Ideen im Menschen
 
Die einfallende Idee kann in Form von inneren Bildern auftreten. Dies ist die Stufe der Imagination, die sich in Farben und Formen mitteilt. Mit ihr arbeiten Maler, Bildhauer, Designer, Graphiker, Architekten und ähnlicher Berufe. Dagegen finden Musiker aber auch Dichter und Schriftsteller ihre Ideen als innere Klänge und Worte vor. Das ist die Form der Inspiration. Der Schriftsteller steht allerdings auf der Schwelle zur dritten Form des Auftretens von Ideen – nämlich der Intuition, die Gedanken vermittelt.
 
            Imagination    –          innere Bilder
            Inspiration      –          innere Klänge und Worte
            Intuition          –          Gedanken
 
 Kommen wir auf die Ausgangsfrage zurück, so kann man mit einem Bibel-Wort antworten: Suchet und ihr werdet finden. Es sollte heute der Mensch vielmehr in Fragen leben als in Antworten. Je weniger er die Welt durch sein Wissen zu bestimmen versucht und stattdessen fragt: Was zeigt sich?, wie spricht das Objekt?, desto besser kann sich das Wesen des Objektes dem Menschen mitteilen. Je mehr Fragen er stellt und offen läßt, desto mehr wahre Antworten kann der Mensch empfangen.
 
Ist die Welt begrenzt oder kann man ihr Neues hinzufügen?
 
Diese häufig gestellten Fragen müssen wie folgt beantwortet werden: Die Welt ist allumfassend begrenzt, aber man könnte eine Grenze nicht angeben, weil es kein Dahinter, kein Außerhalb oder Darüberhinaus gibt, das man angeben könnte. Der Mensch ist Teil einer Gesamtheit, die wir „Welt“ nennen, in der nichts fehlt oder zuviel ist, sondern die ein in sich geschlossenes Ganzes ist. Der Mensch hat den Beruf, diese Welt zu erkennen und auf lange Sicht zu lernen, selbst eine solche Welt erzeugen zu können. Und so fügt er der Natur, ständig Neues hinzu, welches aber aus dem Vorhandenen zusammengesetzt ist und dessen Neuheit nur in der Kombination und Variation des Vorhandenen besteht. Die Stoffe, Kräfte und Wechselwirkungen, die wir in der Technik nutzen, sind vorhanden. Insofern können wir der Welt nicht wirklich Neues einfügen, aber wir können sie immer weitergehend entschlüsseln. Auch befindet sich die Welt als Kosmos in einer Entwicklung, so daß die vorgefundenen Kräfte und Stoffe auch einer gewissen langzeitliche Entwicklung unterliegen. Insofern wird der Fall nicht eintreten, daß die Menschen alles wissen werden und nichts mehr zu entdecken hätten. Aber denken und begreifen läßt sich nur, was in dieser Welt ist. Noch niemand hat etwas denken können, was es in unserer Welt nicht gibt.
 
 
Kann man das Ideenhaben lernen oder fördern?
 
Diese Frage stellt sich vor allem den kreativ arbeitenden Menschen, die oftmals „auf Knopfdruck“ Ideen haben müssen. In diesem Zusammenhang wären allerlei Probleme zu besprechen, weil es zwar durchaus möglich ist, das Ideenvermögen zu steigern, der Erfolg allerdings weitgehend von den moralischen Zielen des Fragenden abhängt. Die geistige Welt ist für egoistische Wünsche nicht erreichbar, denn sie ist nach moralischen Gesetzen geordnet. Deshalb haben alle Religionen, die ja aus Mitteilungen der geistigen Welt an die Menschen bestehen, moralische Inhalte. Alle sogenannten Ideen unmoralischen Inhalts, sind nicht aus der geistigen Welt dem Bertreffenden zugeflossen, sondern stammen aus Kombinationen und Variationen des Verstandes unter Mitwirkung der Triebe und Begierden. Die geistige Welt kann dem fragenden Menschen nur solche Ideen zukommen lassen, die mit ihr, mit der Weltidee, übereinstimmen.
Um das Ideenvermögen zu fördern, ist es günstig, seine Fragehaltung zu verstärken. Man muß der geistigen Welt verdeutlichen, was man sucht. Man sollte regelrecht eine Kultur des Fragens entwickeln und hier hilft es, wenn man die Fragen schriftlich fixiert. Denn die Frage muß präzise sein, wenn eine befriedigende Idee auftreten soll. Immer wieder lebe man sich in die Frage ein und unterlasse jeden Versuch, selbst eine Antwort zu erspekulieren. Die Kunst des Fragen besteht neben des präzisen Fragens in dem völligen Offenlassen der Antwort. Oft stellt sich die Ideen ziemlich schnell nach dem Fragen ein, manchmal mitten im Fragen. In anderen Fällen geschieht am selben Tage nichts mehr, aber am Morgen nach dem Aufwachen ist die Idee plötzlich da. Manchmal erscheint sie aber nicht gleich beim Aufwachen sondern zu den unmöglichsten Gelegenheiten mitten am Tag. Wer da nicht blitzartig reagiert und die Idee festhält, wird enttäuscht feststellen, daß er wohl weiß, eine Antwort, eine Idee erhalten zu haben, daß er aber nicht prompt genug reagierte und die Ideen nicht festhalten konnte. Denn das ist so ein Problem: Intuitionen können nicht erinnert werden, wenn man nicht dafür sorgt, daß sie erhalten bleiben.
Manche Fragen scheinen nie Antworten zu finden. In einem solchen Falle kann es gut sein, daß die Frage falsch gestellt wurde, z. B. insofern, als sie einen Denkfehler enthält, oder von falschen Voraussetzungen ausgeht. In solchen Fällen empfiehlt es  sich, die Frage selbst zu befragen: Ist die Frage so richtig gestellt z. B.? Bei dieser Frage wird man öfter spontan der Gefühl bekommen, daß mit der Frage etwas nicht stimmt. In diesem Falle gehe man der Sache nach und versuche die Frage neu zu gestalten. Grundsätzlich aber finden alle Frage ihre Antwort einfach weil die Welt selbst eine in sich stimmige Idee ist. Und der Mensch ist dazu entwickelt worden, diese Idee immer genauer kennenzulernen, bis er sie nachschaffen kann.
 
Hans Bonneval

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  Der Mensch entsteht nicht durch die Zeugung (wmuws 002)
Geschrieben von: hans - 18.04.2016, 16:32 - Forum: Was man unbedingt wissen sollte - Keine Antworten

Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe von Tatsachen, die man gewöhnlich nicht erfährt, die ungeheuer wichtig sind für den weiteren Verlauf des persönlichen Daseins. Wer diese Dinge nie erfährt, hat erhebliche Nachteile hinzunehmen.
 
Die gewöhnliche Auffassung geht davon aus, daß mit der Zeugung der ganze Mensch entsteht, daß in den Genen der befruchteten Eizelle alles enthalten sei, was den entstehenden Menschen ausmacht. Denkt man etwas länger darüber nach, so findet man, daß doch die Besonderheit vieler Menschen in gar keiner Weise in den Eltern vorgefunden wurden. Wie kam es dann zu dieser Mischung der Gene, die das Kind zum Genie machten? Und dieselbe Frage stellt sich auch in umgekehrter Richtung: Wie wurde aus dem Kind anständiger Eltern eine Schwerverbrecher? Und so kommt man allmählich zu der Einsicht, daß es die geerbten Gene allein wohl nicht sein können, was den Menschen ausmacht. Man stellt fest, daß die Vererbung den geringsten Teil der Persönlichkeit ausmacht. Dies bestätigt die spirituelle Wissenschaft Rudolf Steiners: der Mensch entsteht nicht durch die Zeugung. Jeder von uns ist schon seit Urzeiten als Geist existent und lebt wechselweise ohne Körper im Kosmos und im Körper auf der Erde. Durch die Zeugung erhalten wir lediglich unseren Leib, der uns als Gefäß und Werkzeug während des Erdenlebens dient. Unsere Persönlichkeit bzw. Individualität ist ewig. Das bedeutet, daß es eine bestimmte sehr große Anzahl von Menschen gibt, die etwa alle tausend Jahre ein Leben im Leib auf der Erde verbringen. Unser Geist und unsere Seele bewohnen den Leib und bewältigen mit ihm die Anforderungen des irdischen Daseins. Die Erkenntnisse und Erfahrungen nehmen Seele und Geist in sich auf, um sie nach dem Tode auszuwerten. Aus dieser Auswertung ergibt sich dann auch der Plan für das nächste Erdenleben.
Wenn ein Kind geboren wird, dann sollte man unbedingt nicht denken, daß das Wesen des Neugeborenen neu entstanden sei, sondern daß es wieder einmal inkarniert ist, wieder einmal in einen Leib eingezogen ist und ein Erdenleben  durchmachen will. Die gesamte Kindheit bis zum 21. Lebensjahr wird eigentlich gebraucht, um den seelisch-geistigen Menschen in den neu entstandenen Leib einzuziehen und diesen handhaben zu können. Wer nicht denkt, daß das Kind eine „alte Seele“ ist und eine Lebensplan mit individuellem Schicksal mitbringt, der wird auch bei bestem Willen das Kind falsch behandeln. Das Kind ist nicht eine „unbespielte Festplatte“ auf welcher nur die richtigen Programme installiert werden müssen, um einen funktionsfähigen Menschen aus ihm zu machen. Eltern, Betreuer, Lehrer müssen mit dem individuellen Lebensplan eines jeden Kindes rechnen und alles daran setzen, die Interessen des Kindes aufzuspüren und zu bedienen. Das freie Spielen ohne technisches Spielzeug und das Aufspüren und bedienen der Interessen, holen den geistigen Lebensplan auf die Erde und geben damit dem Kinde die Basis, das Fundament seines Lebens. In den zahllosen Fällen, wo dies nicht in der richtigen Weise beachtet wird, entstehen Lebensunsicherheiten, Abirrungen sowie Krankheiten seelischer und körperlicher Art.
Man braucht eigentlich zunächst einmal kaum mehr zu tun, als fest mit der Präexistenz der Kindes zu rechnen. Dies kann sogar eine Leitgedanke bei der Zeugung sein, aber auch dann, wenn die Schwangerschaft einsetzt ist es ein sehr hilfreicher Gedanke, davon auszugehen, daß sich eine „alte Seele“ mit der befruchteten Eizelle verbunden hat, die sich in der Regel mit den Eltern noch im Totenreich verabredet hat. Man tut gut daran, das Kind als einen „alten Bekannten“ zu betrachten, ohne dies dem Kind erzählen zu müssen. Denn darin bestehen viele der Schwierigkeiten, welche Eltern mit ihren Kindern haben, daß diese unbewußt spüren, daß man mit ihren Anliegen nicht rechnet. Man rechnet nicht mit dem großen Ernst, der in dem Lebensplan liegt, der sich aber zunächst nur in scheinbar unwichtigem Kinderspiel und bestimmten Kinderinteressen zeigt. Man sollte stets die Frage bewegen: Was will in diesem Kind heranwachsen? Welcher Plan steht hinter den inneren Antrieben? Welche Interessen sind jetzt vorhanden? Wie können diese noch besser bedient werden?
Natürlich gibt es noch sehr viel mehr über die Kindererziehung zu sagen. Mir geht es in diesem Artikel nur um die Tatsache der Präexistenz, des Lebens der Seele und des Geistes vor der Zeugung. Diese Kenntnisse wirken sich natürlich zunächst auf die Kinder aus, die man mit diesem Wissen zur Geburt bringt und erzieht. Aber es wirkt dieses Wissen wiederum sehr hilfreich für die Zeit nach dem eigenen Tode. Denn das ist bereits ein wichtiges Wissen geistiger Art, das nach dem Tode Licht in die Umgebung des Toten bringt, so daß er sich dort orientieren kann. Nur wer ausreichend Licht in Form spiritueller Gedanken mitbringt, kann die seelische und später auch die geistige Welt betreten. Ohne Licht kann der Tote nicht in der für ihn vorgesehen Weltumgebung leben, sondern er kehrt sich wiederum der Erde zu mit einer furchtbaren Auswirkung.
                                                                                                                                                       Copyright: Hans Bonneval

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  Vom Leben nach dem Tod zu wissen, ist sehr wichtig! (wmuws 001)
Geschrieben von: hans - 18.04.2016, 16:26 - Forum: Was man unbedingt wissen sollte - Keine Antworten

 
Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe von Tatsachen, die man gewöhnlich nicht erfährt, die ungeheuer wichtig sind für den weiteren Verlauf des persönlichen Daseins. Wer diese Dinge nie erfährt, hat erhebliche Nachteile hinzunehmen.
 
Der erste große Nachteil entsteht, wenn man glaubt – was bei der großen Mehrzahl der Menschen der Fall ist –, daß man durch den Tod aufhört zu existieren. Das ist definitiv nicht der Fall. Wer aber an das Ende seiner Existenz glaubt, hat nach dem Tode größte Probleme, sich zurechtzufinden. Er verbringt oftmals Jahre in Verwirrung und Verzweiflung wenn er keinerlei Kenntnis der wahren Zusammenhänge besitzt. Daher ist jedem zu wünschen, daß er zumindest so weit kommt, daß er ein Weiterleben nach seinem Tode für möglich hält. Diese Tatsachen gehen aus der spirituellen Forschung Rudolf Steiners hervor, der keinerlei Vermutungen sondern reine Beobachtungsresultate mitteilt und von daher unbedingt als wissenschaftlich anzusehen ist.
Wie aber kann man sich die menschliche Existenz vorstellen, wenn der Körper stirbt? Der Körper ist eben nicht das ganze Mensch, sondern nur eine Art Gefäß und Werkzeug für den eigentlichen, nicht-materiellen Menschen. In diesem Körper ist ein unsichtbarer Lebenskraft-Organismus tätig, der den Stoff bildet und wechselt. Wenn dieser den Körper verläßt, löst sich der Leib auf, er verwest. In diesem Lebenskraft-Organismus sitzt wiederum ein immaterieller Organismus, den wir die Seele nennen können und der uns das Bewußtsein verschafft. In diesem Bewußtseins-Organismus wird alles bemerkt, was dem Menschen zugänglich ist. Hier erscheinen Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühle, Gedanken und Willensimpulse. Das diese alle nicht materiell sind, wird man sicherlich nachvollziehen können. Niemand käme auf die Idee, ein Gefühl oder einen Gedanken als materiell zu bezeichnen. Es handelt sich um seelische und geistige Escheinungen.
In diesem Bewußtseins-Organismus lebt nun erst der eigentliche Mensch, das Ich, welches von geistiger und seelischer Natur zugleich ist. Diese Ich, daß man gewöhnlich als die Persönlichkeit bezeichnet, ist all das, was den jeweiligen Menschen ausmacht: Sein Wissen und Können, seine Erlebnisse und Erfahrungen, sein Schicksal mit allen Höhen und Tiefen, die Veranlagungen, das Temperament, das Geschlecht und die Konstitution – einfach alles, was er über sich wissen kann, macht den bewußten Teil seines Wesens aus. Das Wesen umfaßt allerdings nicht nur das bewußte Sein, sondern einen umfangreichen unbewußten Teil. Dieses Ich, der eigentliche oder geistige Mensch, verfügt über das Selbstbewußtsein und nimmt in sich alle Erkenntnisse und Erfahrungen auf. Während der Leib nach dem Tode verwest und der Lebenskräfte-Organismus sich auflöst, bleibt die Seele, dieser Bewußtseins-Organismus, noch eine Weile nach dem Tode erhalten. An ihm findet eine wichtige Auswertung des vergangenen Lebens statt. Erst nach zwanzig bis dreißig Jahren ist diese Auswertung abgeschlossen, was zur Auflösung diese Wesens-Teiles führt. Was nachbleibt ist das Ich, das nun reiner Geist ist und in den Weiten des Kosmos lebt, um ein nächsten Leben vorzubereiten.
Das Ich des Menschen ist ewig und der Sinn seiner Existenz liegt in der Entwicklung, die durch jedes Leben prinzipiell voranschreiten kann. Wenn aber der Mensch das nicht weiß, dann lebt er falsch und stellt damit die Weichen für seine nachtodliche Existenz. Das Leben nach dem Tode ist vom Bewußtsein her ein noch viel intensiveres als das Leben auf der Erde. Die spirituelle Forschung Rudolf Steiners ergab, daß der Mensch durch seine Gedanken während des Lebens, die Art seine Daseins nach dem Tode bestimmt. Der Mensch wird nach dem Tode zu dem, als was er sich im Leben denkt. Denkt er, daß seine Existenz mit der Zeugung begann und mit dem Tode enden wird, so kommt er zu einem widersprüchlichen Dasein. Er glaubt nicht an seine Existenz, ist aber noch da und begreift dies nicht als Toter. Rechnet er mit einem Weiterleben nach dem Tode, so begreift er immerhin seine Situation. Allerdings ist die nachtodliche Existenz ja eine immaterielle, so daß alle Gedanken über die materielle Welt nach dem Tode ihre Bedeutung verlieren. Hier werden jetzt spirituelle Gedanken gebraucht. Durch seine spirituellen Gedanken und Gefühle im Leben erzeugt sich der Mensch ein Licht für die seelische und die geistige Welt, in welchen er als Toter lebt. Wer als reiner Materialist stirbt, ist nach dem Tode für lange Zeit ein Blinder. Er denkt im Leben, daß es nur Materie gibt und kann daher nach dem Tode für lange Zeit das Nichtmaterielle nicht erkennen. Wer dagegen mit immaterieller Existenz von Seele und Geist rechnet, der nimmt diese Welten sogleich nach dem Tode wahr.
 
Insofern meine ich den Titel dieser Artikel-Serie durchaus ernst. Es handelt sich tatsächlich um Dinge, die eigentlich jeder wissen müßte, bevor er stirbt.
 

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  Ostern - die Geburt des Iches
Geschrieben von: hans - 18.04.2016, 16:10 - Forum: Fragen zur Anthroposophie - Keine Antworten

ProSophia-Rundbrief 2016-03

 
 
 
Liebe Freunde,
 
da sich nur noch wenige von Euch zum Studienkurs am Donnerstag vor Ostern eingefunden hatten, will ich doch die Ostergedanken noch einmal nachzeichnen, die wir zum Abschluß des Abends bewegt haben. Obwohl das Osterfest, daß wichtigste christliche Fest ist, fehlt vielen der Zugang zu einer inneren Teilnahme an den bedeutendsten Weltereignissen. Deshalb war es meine Absicht, einen einfachen Weg zur Anteilnahme aufzuzeigen.
 
Ostern, so sagt es Rudolf Steiner, ist das Fest der Geburt des menschlichen Iches. Und das zeigt sich besonders in dem Auferstehungs-Motiv, in welchem die Hoffnung für die ganze Menschheit liegt. Denn mit der Auferstehung des den Sohnesgott in sich tragenden Jesus ist in jede Menschen-Seele ein „Tropfen“ des makrokosmischen Iches des Christus gelegt worden. Den Auferstandenen nannte man den Chrestos (griechisch) nach der höchsten Stufe der vorchristlichen Einweihung, die Stufe eines Königs. Ursprünglich waren die Könige Eingeweihte der höchsten Stufe der vorchristlichen Mysterien. Und als ein deutliches Zeichen, daß diese alte Einweihung nun beendet werden müsse, macht der Christus-Jesus die sieben Stufen der alten Einweihung noch ein letztes Mal durch und erneuerte und erweiterte allen Menschen mit seiner Auferstehung das alte Selbst zu dem neuen Ich.
Das menschliche Selbst, welches schon vor dem Mysterium von Golgatha den Menschen ein gewisses inneres Zentrum gab, war eine Art Vorbereitungsstufe für das zu erwartende Ich und wurde durch diesen Tropfen aus dem makrokosmischen Gottes-Ich zur Auferstehung bzw. Umwandlung befähigt. Es wurde so zubereitet, daß es würde auferstehen können, wenn der Mensch sich bemüht und guten Willens ist. Es würde aber nach und nach in eine zerstörerische Verfassung geraten, wenn der betreffende Mensch sich nicht zum Geistigen hinneigen will.
Das Mysterium von Golgatha ist ein kosmisches Ereignis, welches für das gesamte Sonnensystem (Planeten mit Tierkreis) eine kolossale Änderung bedeutet. Die neun Hierarchien und alle Zwischen- und Widersacher-Wesen sind davon betroffen. Denn der alte Kosmos, der vom Vater gegründet wurde, wird von dem neuen Sohnes-Kosmos abgelöst. Das Alte, Väterliche geht in den Tod. Das Neue, Sohneshafte beginnt nur dann zu leben, wenn die Menschen es tun, wenn sie aus freier Moralität heraus handeln. Denn der Christus hat der Welt einen Impuls gegeben, der die Erneuerung bewirken kann, wenn der Mensch es will. Daher der Christus-Ausspruch: „Siehe, ich mache alles neu.“
Der Christus-Impuls besteht darin, daß unser Sonnensystem, welches „Erde“ genannt wird, einen Samen bekommen hat, den es vorher nicht besaß, damit nach dem Erdenende einmal eine „neue Erde“ (künftiger Jupiter bzw. Neues Jerusalem) aus dem Samen heraus sich verwirklichen könnte. Das wird allerdings erst möglich, wenn dieser Same befruchtet wird. Wenn die Menschen Taten der Liebe vollbringen, wenn sie aus freier Moralität heraus handeln.
Die freie Moralität ist aber schon das Neue, die durch den Christus erneuerte alte Vorshrifts-Moralität. War auch vor dem Mysterium von Golgatha der Mensch gehalten mit seinem Vorgänger des Iches, aus seinem alten Selbst heraus, moralische Vorschriften zu beachten, sich an Gesetze und Verordnungen zu halten, wie sie z. B. in den sogenannten Zehn Geboten gegeben sind, so ist er jetzt aufgefordert selbst das Angemessene Verhalten zu ergründen, ohne sich auf Vorschriften, Gesetze und Vorbilder zu stützen.
Das vom Christus verstärkte und erweiterte Selbst der Menschen wurde von dem Kirchenvater Ulfilas mit dem Namen J-CH bezeichnet und in viele Sprachen übernommen. Es handelt sich lediglich um die Initialen der J-esus CH-ristus mit der Besonderheit, daß es früher nur einen Buchstaben für „j“ und „i“ gab. Dieses neue ICH in jedem Menschen trägt die Möglichkeit in sich, selbst eine moralische Instanz zu werden. Denn jene Kraft des Sohnes-Gottes, die einst dem Moses die Zehn Gebote offenbarte und damit das gesamte Rechts- und Gesetzes-Werk auf Erden begründet hat, jene moralisch produktive Geisteskraft wurde durch das Mysterium von Golgatha mit dem erwähnten Tropfen in jede Menschenseele gelegt. Damit sind wir selbst „Gebote-fähig“ bzw. moralisch produktiv geworden, sofern wir es bewußt ergreifen. Die moralische Erwägung, die sich von Gewohnheiten, Gesetzen etc. emanzipiert, verwendet jenen Topfen, verwendet, was der Christus von sich opferte und den Menschen hinzufügte.
Jede Menschen-Tat, die nicht zum eigenen Vorteil, sondern zum Heile anderer vollbracht wird, läßt den Christus immer wieder und immer weiter auferstehen, sie begründet einen neuen Kosmos und sie bringt das durch den Tropfen befruchtete alte Selbst der Auferstehung zum wahren oder höheren Ich näher.  
 
Und so können wir die Bilder der Evangelien vor uns hinstellen und durch die genannten Gedanken begreifen. Der am höchsten entwickelt Mensch der alten Vaterwelt, der Jesus, wird durch die Taufe ergriffen von dem Ich des Sohnes-Gottes, den der Vater hat aus sich hervorgehenlassen, auf daß er sein Werk vollende. Und dieser Gott-Mensch, den man korrekt eigentlich Sohn-Jesus nennen müßte, weil der der Christus-Name erst dem Auferstandenen gilt, dieser Gott-Mensch geht noch ein letztes Mal durch die alte Einweihung bis zur Königswürde (Chrestos). Er stirbt am Kreuz und ersteht auf. Aber am Kreuz hängt der Alte Mensch, der Vater-Gott-Mensch. Am Kreuz hängt der Mensch, der wegen seiner Unselbständigkeit nach Gesetzen und Regeln erzogen werden mußte. Am Kreuz hängen wir mit unserem alten Menschen, mit unsere Anteilen am unselbständigen Vaterhaften. Das alles geht in den Tod und bleibt tot. Die Auferstehung liegt in dem zur Selbständigkeit befähigenden Tropfen, der das Alte verwandelt, ja geradezu umstülpt, liegt in dem was der Christus einem jeden Menschen hingeopfert hat. Und diese Selbständigkeit begreift man erst, wenn man den Freiheitsbegriff zu einem Erlebnis hat bringen können. Es genügt nicht, die Freiheit zu begreifen – was schwer genug ist – sie muß erlebt werden. Denn kommt man zu selbstlosen Taten, kommt man zu Taten der Liebe und analysiert, wie dies zugeht, so findet man: Wenn mich das Bedürfnis anderer zum selbstlosen Handeln bewegt, dann ist der Antrieb freier Wille. Es ist ein Wille, der nicht kausal bedingt ist, der nichts mit meinen Trieben, Begierden, Instinkten zu tun hat, weil von mir keinerlei Vorteil für meine Person erstrebt wird. Aber wenn man aus freiem Willen handelt, dann liegt diesem Willen das Gefühl der Liebe zugrunde. Denn das Gefühl erst läßt den Willen fließen. Es ist grundsätzlich der „Schleusenwärter“ unseres Willensflusses, unserer Tatkraft. Und um es noch einmal menschenkundlich zu erklären: Alle Erkenntnisse, die der Mensch gewinnt, bezieht er auf sich selbst, auf sein Ich, auf alles, was ihn ausmacht und er erhält aus diesem Selbstbezug immer ein Gefühl, das sich aus Sympathie und Antipathie zusammensetzt. Gefühle geben an, wie das Erkannte zu dem Betreffenden paßt oder nicht paßt, ob es ihn fördert oder hindert etc. Und indem sie die Bedeutung des Erkannten für den Betreffenden wiederspiegeln, qualifizieren die Gefühle sich zum Regulierer des Willensflusses durch welchen das Verhalten bestimmt wird.
 
Stellen wir nun einmal zum Osterfest die Frage: Welches Gefühl haben wir, wenn wir unsere gewöhnlichen Taten vollbringen? Was fühlen wir bei den Verrichtungen unseres Berufes. Wie fühlt es sich an, wenn wir unseren Interessen nachgehen, wenn wir versuchen Vorteile zu ergattern oder gar, wenn wir ungerecht werden? Untersuchen wir einmal aus welche Gefühlen heraus wir handeln und kommen dann zur entscheidende Frage: Wann wird dieses Gefühl, daß unsere Tatkraft fließen läßt ein reines, edles, liebevolles? Das ist der entscheidende Punkt. Wenn ich den Christus in mir (J-CH) „nutze“ zur selbstlosen Tat, zur Tat aus der moralischen Intuition heraus, dann liegt dem das Gefühl der Liebe zugrunde. Wenn aber Liebe die Schleusen des Willens öffnet, dann ist der Wille frei und das Gefühl der Liebe begleitet das Tun. Und nach der Tat kling die Liebe noch nach und erzeugt die Empfindung des bescheidenen Glücks. Und dann ist er da, der Auferstandene in mir.
 
Diese Erleben, liebe Freunde, wünsche ich Euch von Herzen in dem sicheren Wissen, daß allein dies die Welt noch retten kann.
 
Beste Ostergrüße,
 
Hans Bonneval

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  Philosophie der Freiheit
Geschrieben von: hans - 18.04.2016, 16:02 - Forum: Fragen zur Anthroposophie - Keine Antworten

                                                                                                                            2016-0413

 
Liebe Freunde,
 
 
wir, die Teilnehmer des Aufbaukurses zur Arbeit an der Philosophie der Freiheit Rudolf Steiners, haben nun endlich das äußerst umfangreiche 13. Kapitel der Philosophie der Freiheit durchgearbeitet. Es fehlt nur noch der Zusatz zur Neuausgabe.
Aber in den letzten Absätzen dieses Kapitels steht Bahnbrechendes, was außer Rudolf Steiner noch niemand auch nur ansatzweise hervorgebracht hat. Das ist aber das Erstaunliche: Man kann es gut nachvollziehen, ja es spricht einem geradezu aus der Seele und doch ist man so geschult, daß man nicht auf das im nachhinein so Naheliegende käme.
Denn es geht Steiner in diesem Kapitel nicht nur darum, zu sagen: Der Mensch stellt keine Lust-Unlust-Bilanzen auf, wie Eduard von Hartmann meint, und unterläßt sein Streben, wenn die Unlust die zu erwartende Lust übersteigt, sondern er nimmt Unmengen an Mühen (Unlust) auf sich, wenn er Aussicht auf das Erreichen eines Zieles hat. Die Unlustmenge spielt dabei keine entscheidende Rolle. Das ist zwar eine interessante Erkenntnis, aber wichtig ist ja erst die Schlußfolgerung die Hartmann zieht und die Steiner so bedeutsam widerlegt, indem er die Freiheit ins Spiel bringt. Der Pessimismus Hartmann und Schopenhauers war sehr populär seinerzeit und paßte zu den Ansichten des Puritanismus und der strengen protestantischen Sekten Skandinaviens, die alle davon ausgingen, daß es gottgefällig sei, wenn man sich nicht der Lust und Freude hingibt etc. Und so schließt Hartman: Da die Unlustmenge stets größer ist, als die zu erreichende Lust, solle man das Streben nach Lust unterlassen und sich seinen ethischen Pflichten als Mensch zuwenden. Dazu Steiner:
 
.Die pessimistische Ethik glaubt dem Menschen die Jagd nach dem [231] Glücke als eine unmögliche hinstellen zu müssen, damit er sich seinen eigentlichen sittlichen Aufgaben widme. Aber diese sittlichen Aufgaben sind nichts anderes als die konkreten natürlichen und geistigen Triebe; und die Befriedigung derselben wird angestrebt trotz der Unlust, die dabei abfällt.“
Denn
004/13/45      
„Die Aufgaben aber, die der Mensch zu vollbringen hat, vollbringt er, weil er sie kraft seines Wesens, wenn er ihr Wesen wirklich erkannt hat, vollbringen will. Die pessimistische Ethik behauptet, der Mensch könne erst dann sich dem hingeben, was er als seine Lebensaufgabe erkennt, wenn er das Streben nach Lust aufgegeben hat. Keine Ethik aber kann je andere Lebensaufgaben ersinnen als die Verwirklichung der von den menschlichen Begierden geforderten Befriedigungen und die Erfüllung seiner sittlichen Ideale. Keine Ethik kann ihm die Lust nehmen, die er an dieser Erfüllung des von ihm Begehrten hat.“
Es ist eben durchaus eine Lust, wir würden sagen: eine Freude, sittliche Ideale zu bilden und zu verwirklichen, weil diese in unserem Wesen liegen. Denn das bloße Streben nach Lust oder Glück ist ein leeres Bestreben. Es ist wie eine Droge, die mir den Erfolgstaumel vortäuscht. Nur das ist echtes Glück, wenn das echte Leben gelingt und nicht, wenn extra für das Gelingen geschaffene Taten, die sonst keinen Sinn verfolgen, gelingen. Es wird mich einfach nicht glücklich machen, wenn ich meine Schach-Computer so einstelle, daß er mich gewinnen läßt. Insofern ist die Idee Hartmanns, des reinen Strebens nach Lust oder Glück ganz falsch gedacht, auch wenn es durchaus solche Bestrebungen gibt, wie etwa in der Unterhaltungs-Industrie, der ja aber kein ernsthafter Mensch in ausgiebigem Maße folgen würde.
 
„Die Ethik beruht nicht auf der Ausrottung alles Strebens nach Lust, damit bleichsüchtige abstrakte Ideen ihre Herrschaft da aufschlagen können, wo ihnen keine starke Sehnsucht nach Lebensgenuß entgegensteht, sondern auf dem starken, von ideeller Intuition getragenen Wollen, das sein Ziel erreicht, auch wenn der Weg dazu ein dornenvoller ist.“
Nochmal verkürzt: „Die Ethik beruht … auf dem starken, von ideeller Intuition getragenen Wollen, das sein Ziel erreicht …“
Die sittlichen Ideale entspringen aus der moralischen Phantasie des Menschen.
“Sie sind seine Intuitionen, die Triebfedern, die sein Geist spannt; er will sie, weil ihre Verwirklichung seine höchste Lust ist.“
004/13/47      
„Wer nach Idealen von hehrer Größe strebt, der tut es, weil sie der Inhalt seines Wesens sind, und die Verwirklichung wird ihm ein Genuß sein…“
 
Der zweite große Fehler Hartmann in diesem Zusammenhang besteht darin, zu meinen man würde nur unter Verzicht auf Lust und Freude sich in sein Schicksal fügen und den von außen aufgestellten sozialen Idealen nachgehen. Dann würde man nicht tun, was man als das Angemessene erkannt hat, sondern das tun, was man soll. Und an dieser Stelle haben wir versucht den Unterschied zwischen dem Sollen und dem Wollen zu beschreiben. Und da war die Erkenntnis wichtig, daß das gewollte aus dem Wesen, aus dem Ich des Menschen entspringt. Denn das Erkannte ist der Inhalt des Iches und löst das Wollen aus. Daher hat das von mir Gewollte den höchsten Wert für mich. Denn diesem gegenüber bin ich frei. Ich will es. Demgegenüber kann das, was ich soll nicht diesen Wert bekommen, denn es entspringt nicht meinem Wesen, meinem Ich. Nun kann der Mensch aber auch die Erkenntnis haben, daß bestimmte selbstlose Taten ihm ein Anliegen sind, daß er sie will, daß er das Moralische will und damit rechnet Hartmann nicht und die ganze Wissenschaft bis heute folgt ihm. Das Moralische ist Teil der Menschlichen Wesenheit. Wie schon so oft erwähnt, ist die geistige Welt nach moralischen Gesichtspunkten gegliedert, so wie die physische nach Naturgesetzen. Das Moralische aber ist das Beachtenwollen der Anliegen aller Beteiligten, das Leben im Bewußtsein der Würde. Das liegt durchaus in jedem von uns und wenn wir uns bewußter werden, tritt uns dies aus unserem Innern entgegen. Wir ertappen uns: Wir wollen tatsächlich das Gute, das heißt, das Angemessene soll geschehen. Wenn das meine Gesinnung wird und ich daheraus ins Handeln komme, dann ist es mir eine höchste Lust, ein Genuß bzw. eine Freude, zu erleben, wenn es gelingt. Das greift tief in die Pädagogik und überhaupt in das Soziale ein.
004/13/48      
„Was man das Gute nennt, ist nicht das, was der Mensch soll, sondern das, was er will, wenn er die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt. Wer dies nicht anerkennt, der muß dem Menschen erst das austreiben, was er will, und ihm dann von außen das vorschreiben lassen, was er seinem Wollen zum Inhalt zu geben hat.“
004/13/49      
„Der Mensch verleiht der Erfüllung einer Begierde einen Wert, weil sie aus seinem Wesen entspringt. Das Erreichte hat seinen Wert, weil es gewollt ist.“
004/13/50      
„Zur Entfaltung des ganzen Menschen gehören aber auch die aus dem Geiste stammenden Begierden.“
 
Hartmann meint, man würde das Gute nicht wollen können. Aber das ist grundlegend falsch.  Dort, wo man das Angemessene zu wollen beginnt, da beginnt auch erst der wahre Mensch.
Das ist die bahnbrechende Erkenntnis, die heute - außer bei Steiner - nicht existiert. Das aber ist unsere Zukunft. Das allein hätte Zukunft, wenn man es gewähren ließe. Das ist das, was ich den Neuen Menschen nenne, der frei Handelnde. Und welche Tragik liegt darin, daß nirgends sonst diese Erkenntnis existiert. Wo immer von Ethik oder Moralität gesprochen wird und selbst bei dem Modewort Empathie geht man von einem Sollen aus und nicht von einem Wollen. Man meint der Mensch könne nur Egoistisches wollen, alles Gute könne er nur sollen. Daß das Gute zu tun ein Anliegen jeder Seele ist, das ist eine bahnbrechende Erkenntnis. Aber wie man sieht kann man den Menschen anders erziehen. Das zu ändern wäre unsere Aufgabe.
 
004/13/50      
 „Für den harmonisch entwickelten Menschen sind die sogenannten Ideen des Guten nicht außerhalb, sondern innerhalb des Kreises seines Wesens. Wer die sittlichen Ideale nur für erreichbar hält, wenn der Mensch seinen Eigenwillen ertötet, der weiß nicht, daß diese Ideale ebenso von dem Menschen gewollt sind, wie die Befriedigung der sogenannten tierischen Triebe.“
Das sieht die Psychologie und die Naturwissenschaft anders. Dazu Steiner:
004/13/50      
„Es ist nicht zu leugnen, daß die hiermit charakterisierten Anschauungen leicht mißverstanden werden können. Unreife Menschen ohne moralische Phantasie sehen gerne die Instinkte ihrer Halbnatur für den vollen Menschheitsgehalt an, und lehnen alle nicht von ihnen erzeugten sittlichen Ideen ab, damit sie ungestört «sich ausleben» können. Daß für die halbentwickelte Menschennatur nicht gilt, was für den Vollmenschen richtig ist, ist selbstverständlich. Wer durch Erziehung erst noch dahin gebracht werden soll, daß seine sittliche Natur die Eischalen der niederen Leidenschaften durchbricht: von dem darf nicht in Anspruch genommen werden, was für den reifen Menschen gilt.“
 
Der von Steiner dargestellt ethische Individualismus ist „…wenn er (der Mensch) das sittliche Wollen als ein Glied seines vollen Wesens in sich entfaltet, so daß das Unsittliche zu tun ihm als Verstümmelung, Verkrüppelung seines Wesens erscheint.“
 
Liebe Freunde, ich versuche Euch wachzurütteln für die Bedeutung dieser Ausführungen, auf daß sich ihr Inhalt in der Welt verbreitet.
 
Beste Grüße,
Hans Bonneval
 

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  Denken aktuell
Geschrieben von: argentus - 12.03.2016, 09:32 - Forum: Fragen zum Zeitgeschehen - Keine Antworten

Auf der Webseite hausdesgeistes.de unter "Kurse" hat Hans Bonneval ganz unten ein Abschnitt geschrieben, der m.E. ganz oben stehen sollte bzw. der ganzen Anthroposophenschaft jeden Morgen beim Auftehen ganz groß vor dem geistigen Auge erscheinen müßte:

"Der Gedanke, daß man gegen bösartige Mächte, wie sie z. B. hinter der Globalisierung stehen, nichts ausrichten könne, ist nach Rudolf Steiner ganz und gar falsch und sogar schädlich. Stattdessen sollte man sich bemühen, aus der Anthroposophie heraus zu erkennen, wie das soziale Leben im guten Sinne eingerichtet werden müßte, um dadurch eine Alternative gedanklich in die Welt zu stellen. Denn dies erzeugt, wenn genügend Menschen es sich immer wieder zum Bewußtsein bringen, eine konstruktive Kraft, welche die okkulten Machenschaften lähmt. Ein solches Vorgehen kann wirksamer sein, als auf die Straße zu gehen oder Petitionen zu unterschreiben. Bevor Konstruktives in der Welt geschehen kann, müssen genügend Menschen es gedacht und verstanden haben und als dringend zu verwirklichendes Ideal dem Geist der Welt eingeprägt haben. Auf diese Weise sammelt sich die Kraft zum Umbruch."


Beste Grüße

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